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Halefeuer Fastnacht Dienstag 2018

Bericht Wiesbadener Kurier, Thorsten Stötzer
WOLLMERSCHIED - Welch ein Glück, dass der Kasper außer einer blauen Latzhose und einer alten Feuerwehrjacke auch einen Motorradhelm trägt. Mit dem liegt die Symbolfigur des Wollmerschieder Halefeuers am Rande einer kleinen Böschung, die Stange, von der der Kasper gestürzt ist, klemmt seinen linken Arm ab. Immerhin aber hat die Strohpuppe kein Ende in den Flammen gefunden.

„So was gab es noch nie“, staunt Wehrführer Harald Schuld im Rückblick auf seine 54 Lebensjahre. Zum Brauchtum des Halefeuers gehört es nämlich, dass der Kasper als Sinnbild des Bösen verbrennt. Dass er nun überlebt, lässt viele Deutungen zu.
Auch die Kunst, aus Art und Richtung des Rauchs, der vom Feuer ausgeht, Schlüsse auf die nächste Ernte zu ziehen, beherrscht keiner so wirklich. Keiner kennt mehr die „gute“ Windrichtung „Keiner weiß mehr, welche Windrichtung die gute ist“, bestätigt Ottmar Missler, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins. Vielmehr ist das Halefeuer heutzutage ein Treffpunkt und ein Ort, um den Ausklang der Fastnacht zu feiern.
Viele Besucher tun dies mit Rußspuren im Gesicht. Das zählt ebenfalls zur Tradition. Mit einem geschwärzten Korken sorgt Steffi Dillmann für Farbe auf Stirn und Wangen. Sie benutzt dabei ein Feuerzeug, althergebracht ist die Methode, Ruß vom kleinen Spengler-Feuer zu verwenden. Das Anmalen war früher weniger nötig, wenn die Hale-Bube aktiv waren. „Wir sind immer dreckig heimgekommen, die Mutter hat geschimpft“, erinnert sich Reinhard Schuld. Die Jugendlichen von damals „werden immer älter“, so gibt er zu, kümmern sich aber weiter um die Bräuche.
Feuerwehr und Sportverein wechseln sich als Ausrichter ab, früher waren ebenso die Reiter dabei. Letztlich sind es aber stets die gleichen Leute, die an zwei Samstagen den Aufbau erledigen. „Es haben sich feste Teams gebildet“, erklärt Reinhard Schuld. So zimmern die einen das Grundgestell, während andere die ausrangierten Weihnachtsbäume aus Wollmerschied und aus Ransel einsammeln.

Dünner Schnee liegt auf den Tannenreisern, ringsum ist der Matsch an diesem klaren Abend gefroren. Dass in der Straße am Stein in Wollmerschied eine Hecke entfernt werden sollte, kam den Erbauern außerdem gelegen. Früher baten die Hale-Buben auf den Höfen im Ort um Material mit dem Spruch „wohnt en reicher Herr im Haus, rückt en Peicht Stroh eraus für das Hale-Feuer“, zitiert Ottmar Missler.
Wer nicht geben wollte, wurde als „Strohkopp“ oder „Blödmann“ tituliert, berichtet er weiterhin. Sehr gesittet geht es jedoch zu, wenn das Feuer zu brennen beginnt. Dann stimmen alle Zuschauer vereint den Choral „Großer Gott, wir loben dich“ an. Ein Funkenregen sprüht herüber, beißender Qualm breitet sich aus. Für den Kasper allerdings scheinen die Bedingungen ideal zu sein, anders als seine Vorgänger darf er ein Jahr länger leben und sehen, wie die Ernte im Sommer tatsächlich ausfällt.

Bilder von Feuerwehr


Nehmen wir den kleinen oder großen Kasperstamm????
►►► Hätten wir doch lieber den Kleinen genommen, dann wäre der Kasper mit Sicherheit verbrannt.